Daniela über ihre Weltreise mit Familie

Einmal auf Weltreise gehen – davon träumen viele Menschen. Familie Piroth-Bonn hat sich diesen Wunsch erfüllt. Im Jahr 2012 haben sich Daniela Piroth-Bonn und ihr Mann Heiko gemeinsam mit ihren beiden kleinen Töchtern Johanna und Franziska auf den Weg gemacht und sind 10 Wochen um die Welt gereist. Davor galt es natürlich einiges zu organisieren und auf den Weg zu bringen. Wir haben uns mit Daniela Piroth-Bonn über die Vorbereitungen und die Reise unterhalten.


Wie ist die Idee zu einer Weltreise entstanden und was hat euch dazu veranlasst, sie genau zu dem Zeitpunkt in die Tat umzusetzen?

Als Touristikerin war der Wunsch einmal „Around the world“ zu reisen schon lange in mir verankert. Das gemeinsame Reisen verbindet auch meinen Mann und mich sehr stark, so dass wir unsere Kinder von Anfang gleich auf zahlreiche Reisen mitgenommen haben um Ihnen unsere Welt zu zeigen und uns trotz und gerade wegen viel Arbeit im Alltag immer wieder bewusste Auszeiten zu gönnen. Umso stärker wurde der Wunsch unsere Weltreise zu machen nach einer Krebserkrankung meines Mannes 2009. Nach eingeschränkter Fernreisetätigkeit durch die beiden Kinder wurde es für mich auch wieder Zeit neue Destinationen für potentielle Neuprojekte kennen zu lernen. Mit der bevorstehenden Einschulung unserer älteren Tochter im Sommer 2012 war dann spätestens Ende 2011 schnell klar – entweder wir legen jetzt los oder es wird noch schwieriger diesen Traum zu realisieren. An Silvester 2011/12 ist dann die Entscheidung gefallen nach der ITB 2012 (Internationale Tourismus Börse) „abzuhauen“.

In welche Länder hat die Reise euch geführt?

Unser erster Stopp war Kalifornien / USA, ein uns beiden bekanntes Ziel, an dem wir vor allem erstmal in unserem Abenteuer Weltreise „ankommen“, ein paar Freunde besuchen und uns die neuesten Trends aus Amerika ansehen wollten. Von dort ging es nach Auckland / Neuseeland, von wo aus wir auf eine 2,5-wöchige Campertour über die Nordinsel im neuseeländischen Herbst gestartet sind. Danach haben wir uns nach der tropischen Wärme der Cook Islands und Französisch-Polynesiens gesehnt. Hier haben wir 7 verschiedene Inseln besucht – darunter Traumziele wie Rarotonga, Aitutaki, Tahiti, Moorea, Rangiroa und Bora Bora. Wieder zurück über Neuseeland sind wir nach Singapur geflogen um dort noch ein wenig „Asien light“ im Schmelztiegel der Kulturen zu erleben.

Ihr seid beide selbstständig mit angestellten Mitarbeitern. Wie habt ihr das organisiert, dass zu Hause alles weiterläuft?

Dies war in der Tat der intensivste Vorbereitungsteil der Reise! Die administrativen Dinge und die laufenden Projekte galt es gut vor- und nachzubereiten. Die eigenen Aufgaben wurden nochmals gründlich reflektiert, strukturiert und an verschiedene Mitarbeiter und Vertrauenspersonen übertragen. Wir haben alle Kunden nochmals persönlich gebrieft und „versorgt“, so dass schlussendlich alles bestens geklappt hat. Dank eines ganz tollen Teams, das uns und unser Vorhaben immer unterstützt hat – und moderner Telekommunikation, über die wir quasi täglich im Kontakt standen.

Auch wenn ehrlicherweise 14 Tage vorher nochmal kurz das Gefühl da war „oh, wie soll das alles klappen?“ und mein Mann die Reise dann sogar um ein paar Wochen verschieben wollte – ist das Schlussfazit durchweg positiv: alle sind an den Aufgaben gewachsen und vieles hat sogar besser funktioniert! Mittel- und langfristig kann ich nur sagen, dass es uns auch beruflich gestärkt und bereichert hat.

Wie lange war die Vorbereitungszeit für die Reise und was war alles zu tun (Flüge, Visa, Wohnung/Haus in der Heimat, Unterkünfte vor Ort …)?

Wie erwähnt, ist die Entscheidung In den Weihnachtsferien gefallen und Ostern ging es schon los. Die Vorbereitungszeit war also mit knapp 12 Wochen, in denen der Alltag weiterlief, Jahresplanung, Messen & Co. anstanden, recht kurz. Viele Reisebausteine haben wir in der Tat erst on tour und vor Ort gebucht. Die Langstrecken-Flüge waren über das Around the world Ticket der Star Alliance als erstes und schnell gebucht. Da es sich als recht schwierig und zeitaufwendig herausstellte die gesamte Reise en detail durchzuplanen, haben wir uns entschieden nur wenige Eckpunkte fix im Voraus zu buchen und den Rest unterwegs – was eine sehr gute Entscheidung war. A) ist die Südsee von hier aus bspw. fast nur im Luxussegment (für Honeymooner) buchbar und es gibt wenig Beratung, welche Ecken auch mit Kindern geeignet sind und B) war es von vor Ort schlussendlich deutlich günstiger die Kurzstreckenflüge zu buchen. Außerdem konnten wir so immer wieder wertvolle Tipps von Einheimischen und anderen Reisenden berücksichtigen.

Deine Töchter waren zum Zeitpunkt der Reise 1,5 und 6 Jahre alt. Hattest Du Angst vor dem Risiko, mit so kleinen Kindern eine solche Reise zu machen (Klimawechsel, Impfungen, Krankheiten)?

Angst auf keinen Fall! Ich sage immer, wenn die Eltern entspannt bleiben und sich gut dabei fühlen, tun es die Kinder auch. Auf jeden Fall hat man eine große Verantwortung und sollte genau diese Punkte - Klimawechsel, Impfungen, Krankheiten – bei der Planung berücksichtigen. So hatten wir uns grundlegend auf eine Route geeinigt, die weder zu extreme Klimawechsel drin hat (allein schon der Kleider- und Gepäckfrage wegen :-)), sind in westlicher Richtung gereist um die Zeitverschiebungen für den Biorhythmus am angenehmsten zu verarbeiten und haben Länder mit besonderen Impfrisiken bewusst vermieden um nicht unnötig viele Medikamente in uns alle und vor allem die Kleinen „reinpumpen“ zu müssen. Alle Länder waren – bis auf die entlegenen Inseln in der Südsee (wo wir ehrlich gesagt auch wirklich froh waren keine ernstere Erkrankung gehabt zu haben!) medizinisch auf westlichem Standard für den Fall der Fälle, der Gott sei Dank nicht eingetreten ist.

Wie habt ihr eure Kinder auf die Reise vorbereitet?

Die 1,5 Jährige ehrlich gesagt gar nicht (außer den auch hier vorgeschriebenen klassischen Kinderimpfungen). Ich denke, dass sich hier die Kleinen wohl fühlen, solange der Halt durch die Familie da ist. Unsere Erfahrung ist, dass je kleiner die Kinder, desto anpassungsfähiger sind sie was beispielsweise Schlafens- und Essenszeiten, Zeitverschiebung etc. betrifft. Die Große hat mit ihren 6 Jahren das Abenteuer schon empfunden – insbesondere als es an die Auswahl des Campers ging, der für die Kinder absolutes Reisehighlight war. Sehr schön fand ich, wie sich die Kinder vorbereiten bzw. dass die 5-jährige Freundin meiner älteren Tochter ihr extra noch ein Notizbuch geschenkt hat mit der Bitte sie solle doch jeden Tag was malen (schreiben konnten sie ja noch nicht), damit sie nachher alles erzählen kann.

Wie ist die Reise verlaufen? Habt ihr in Hotels oder Wohnungen gewohnt? Habt ihr auch längere Ruhephasen – z.B. an einem Strand oder in den Bergen – eingeplant?

Wir hatten von 1* Strandhütte und Camper über Ferienwohnung, B&B und Kettenhotel bis hin zum 5* Insel-Hideaway wirklich alles an Unterkünften. Insgesamt haben wir für die verhältnismäßig kurze Zeit ja viel gesehen und bereist, so dass es kaum wirkliche Ruhephasen gab. Einzig auf Rangiroa – was „dem Himmel so nah“ – bedeutet, haben wir spontan den Inselaufenthalt verlängert um dort wirklich mal komplett abzuschalten. Ansonsten war die Tour mit viel ein-, aus- und umpacken, verschiedenen Reiseformen, neuen Routen und Arbeitsterminen zwischendurch viel auf Achse mit wenig Erholung, aber dafür tollen und einzigarten Erlebnissen!

Habt ihr Kontakte zu Einheimischen geknüpft? Vielleicht sogar gerade dadurch, dass ihr mit Kindern gereist seid?

Kontakte zu Einheimischen waren immer – und in der Tat oft über die Kinder – sehr schnell geknüpft. Sei es die etwas esoterisch durchgeknallte, ursprünglich deutsche, jetzt aber amerikanische Ärztin, die mir meine Nackenprobleme im Coffee Shop beheben und alle mit Algenfood bereichern wollte, das schwule B&B-Gastgeberpärchen, das uns ihr Traumhaus auf Waiheke Island komplett uns selbst überlassen hat, oder die überaus herzliche „Mama“ auf Aitutaki, die mir ungefragt die Kinderwäsche zusammengelegt, uns täglich mit frischem Obst aus ihrem Garten versorgt und auch mal in Eigenregie die geplante Bootstour abgesagt hat aus Sorge um die Kinder.

Welche Station der Reise hat am meisten Eindruck auf euch gemacht?

Schwierige Frage… das waren ja alles beeindruckende Ziele. Der Aufenthalt auf Aitutaki – welche, neben der Lagune von Bora Bora, die schönste Lagune der Welt sein soll – hat uns durch die sehr abgelegene Lage mit nur 800 Einwohnern, der herzlichen Gastfreundschaft durch „Mama“, unserem traumhaften Strandbungalow und dem türkisblauen Wasser sehr beeindruckt.

Aber auch Rangiroa war eine Erfahrung der Superlative mit dem Besuch der Blauen Lagune und dem Schwimmen mit Haien.

Was war euer schönstes Erlebnis?

Eines der schönsten Erlebnisse war völlig losgelöst von der eigentlichen Reise sondern eher entstanden aus dem sehr bewussten Familienzusammensein. Als wir den Geburtstag meines Mannes mit einem schönen Frühstück auf Waiheke Island „gefeiert“ haben und Franziska und ich ihm kleine Geschenke und eine Karte überreichten, hat unsere kleine Tochter mit 1,5 Jahren wohl festgestellt, dass sie keine Geschenke hatte – und mit einer solchen Hingabe und Freude ihrem Papa ein Stück ihrer heißgeliebten Melone geschenkt, dass uns allen die Tränen kamen.

Sehr amüsant, erlebnisreich und einfach ein rundum gelungener Tag war dann noch die Bootstour auf Bora Bora mit unserem Guide „Isch libbe Disch“ (so nennt er sich bei deutschsprachigen Frauen ;-)), der uns in der Lagune auf der familieneigenen Insel mit Rochen, Lemonsharks, Unterwasserschildkröten und Unmengen an bunten Fischen hat schwimmen lassen – und Johanna auf dem Boot mit „Aloha he“, von der Ukulele begleitet, in den Schlaf gesungen hat.

Welche Stationen auf eurer Route waren für Kinder besonders geeignet und welche weniger?

Alle Stationen waren wirklich geeignet für Kinder. Kalifornien mit Disneyland-Besuch, Supermarkt 24h und Riesen-Van natürlich sehr, Neuseeland im Camper mit sehr gepflegten und schönen Campingplätzen auch. Was das Thema Verkehrssicherheit und Autositznormen nach deutschen Standards betrifft, darf man sich auf den Südseeinseln natürlich keine zwei Takte lang Gedanken machen. Da fährt, was fährt. Das sehr exklusive Resort auf Rangiroa war mit Sicherheit auch nicht auf Kinder ausgelegt – aber ein Traum für uns alle. Und es gab nur positive Kritiken, wie erstaunlich sich die Kinder doch beim Essen zu benehmen wüssten. Und ein japanisches Honeymoon-Pärchen, das sich aufgrund mangelnder Englisch-Kenntnisse mit keinem in dem Hotel unterhalten konnte, pflegt bis heute engen Kontakt über Google-Translator mit Franziska; mit ihr mussten sie keine gemeinsame Sprache haben und konnten dennoch den ganze Tag zusammen Spaß haben.

Gibt es im Nachhinein gesehen etwas, das ihr anders machen würdet?

Nein, nicht wirklich. Eventuell sich selbst auf die Rückkehr mental besser vorbereiten. Unerwarteter weise hat sich nicht das Gefühl „endlich wieder zu Hause“ (obwohl wir unser zu Hause lieben!) eingestellt – da war einige Tage eine ganz große Leere... aber vielleicht lag es auch einfach am Wetter, das trotz Juni bitterkalt und trist war!

Könnt ihr euch vorstellen, noch einmal auf Weltreise zu gehen?

Ja, klar! Unser Fazit war ja wirklich, dass sowas schlussendlich auch mit kleinen Kindern und Selbstständigkeit doch einfacher geht als es auf den ersten Blick scheint und wir können jeden nur ermuntern mit solchen Erlebnissen auch seinen persönlichen Horizont zu erweitern.

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