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    Modell oder Kulisse

    Die Architektur des „pittoresken“ Rothenburg ob der Tauber als Element in Fantasie und Realität

    Rothenburg/München, 16. Juni 2021

    Was verbindet Disneys Pinocchio mit der Weltausstellung von Chicago im Jahr 1893? Was ist das Bindeglied zwischen Rothenburg ob der Tauber und den Städten London und Jerusalem? Das mittelfränkische Rothenburg ob der Tauber mit seinen Fachwerkbauten, der Stadtmauer, seinen weiten Plätzen und belebten Gassen ist – weit über die Grenzen Deutschlands hinaus – der Inbegriff der romantischen Stadt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Rothenburg Modell stand sowohl für städtebauliche Maßnahmen als auch für fantastische Landschaften. Und dass vielerorts Parallelen zu Orten auch auf internationaler Ebene gezogen werden können. So zum Beispiel im Falle von Jerusalem.

    Rothenburg in Chicago

    1893 schaute die Welt auf Chicago sowie auf die neuesten technischen Errungenschaften der 46 Ausstellernationen der Weltausstellung. Die Konzeption des deutschen Pavillons lag in den Händen des Düsseldorfer Architekten Johannes Radke, der ein Bauwerk im Stil des deutschen Spätmittelalters sowie der Renaissance schuf. Als Vorbild hierfür diente das Rathaus in Rothenburg ob der Tauber: Ein Abbild des Giebels sowie des Turmaufsatzes kennzeichneten den Pavillon und machten diesen mit weiteren Details von Bürgerhäusern aus dem niedersächsischen Goslar zu einem Abbild deutscher Architektur.

    Rothenburg in Fantasie und Märchen

    Das Plönlein lässt sich nicht nur als das Wahrzeichen Rothenburgs benennen. Der kleine Platz in Form eines Dreiecks in der Rothenburger Altstadt mit dem dahinterliegenden Siebersturm und dem Kobolzeller Tor als Teil der Stadtmauer inspirierte keinen geringeren als Walter Elias Disney. Der Geburtsort von Pinocchio – im Film aus dem Jahre 1940 als verschneites Dorf erkennbar – gleicht Rothenburg und es hat den Anschein, als stünde das Haus des Meister Geppetto, dem Schöpfer von Pinocchio, am Plönlein selbst. Doch auch das fiktive Hogsmeade in den Verfilmungen von Harry Potter zeigt Parallelen zu einem mittelalterlichen Stadtbild auf, welches Rothenburg ähnelt. Ob in japanischen Comics oder als Szenerie in Musikvideos und Computerspielen, Rothenburg ob der Tauber als typisch mittelalterliche Stadt diente in der Vergangenheit zu zahlreichen Anlässen als Idealbild und Modell.

    Rothenburg in London und Dresden

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Nord-London Hampstead Garden Suburb erschaffen. Die Gartenstadt war eine Reaktion auf die Lebensverhältnisse der Arbeiter in den Städten zu Zeiten der Industrialisierung. Menschenwürdige Wohnverhältnisse sollten geschaffen werden. Der englische Architekt Raymond Unwin bediente sich hier explizit verschiedener Rothenburger Elemente wie Dachformen, Laubengänge und Treppenaufgänge, die den Charme und die Wohnlichkeit des Vorortes prägen sollten. Auch die Stadtmauer der Gartenstadt als Grenze zum Londoner Park Hampstead Heath ist analog zum Rothenburger Vorbild geschaffen, welches die Altstadt vom Taubertal trennt. 1909 wurde zudem der Grundstein für die Gartenstadt Hellerau nahe Dresden gelegt. Mit der Straße „Am grünen Zipfel“ nach den Entwürfen des Münchner Architekten Richard Riemerschmid wurde auch hier das Konzept vom Wohnen im Grünen verfolgt. Auch hier ist Rothenburg ob der Tauber in den Architekturzitaten präsent und Rothenburger Elemente sowie Strukturen sind wiederzufinden.

    Rothenburg als Fränkisches Jerusalem

    Dass Rothenburg ob der Tauber häufig als „Fränkisches Jerusalem“ betitelt wird, hat verschiedene Ursprünge. Zwei deutliche städtebauliche Parallelen: die Stadtmauer sowie die Höhenlage der beiden Städte. Mit einer Länge von dreieinhalb Kilometern verfügt die mittelfränkische Kleinstadt über die längste geschlossene Wehrmauer Mitteleuropas. Jene in Jerusalem ist nur rund 500 Meter länger. Mehr als 40 Türme, Wälle, Gräben aber auch Wehranlagen und Zwinger konnten in Rothenburg die Zeit überdauern. Doch auch die jüdische Kultur war in Rothenburg ob der Tauber von Bedeutung. Es galt 40 Jahre lang als Heimat des Talmud-Gelehrten Rabbi Meir ben Baruch, der hier eine jüdische Hochschule gründete. Noch heute sind in Rothenburg die Spuren der jüdischen Kultur und Geschichte sichtbar.


    Bildrechte.: Rothenburg Tourismus Service, W. Pfitzinger